Über Generationen hinweg wurde der Lechtlhof als klassischer Bergbauernhof bewirtschaftet. Viehwirtschaft und Heuernte bildeten die Lebensgrundlage der Familie.
Mit technischen Neuerungen und veränderten wirtschaftlichen Bedingungen änderten sich Arbeitsabläufe, nicht jedoch der Charakter des Hofes.
In jüngerer Zeit wurde das Angebot um Ferienwohnungen ergänzt, um den Hof weiterhin aktiv bewirtschaften zu können.
Heute verbindet der Lechtlhof Landwirtschaft und Urlaub als gleichwertige Bestandteile des Hoflebens.
Dass der Lechtlhof schon früh eine besondere Stellung hatte, zeigt das Ensemble aus Wohnhaus, Lechtlkapelle und alter Schmiede. Die Kapelle ist „Maria Empfängnis“ geweiht, steht unter Denkmalschutz und geht in ihren Ursprüngen auf die Mitte des 17. Jahrhunderts zurück. In den 1850er-Jahren wurde sie auf ihre heutige Größe erweitert.
Die Schmiede ist heute nicht mehr in Betrieb. Wo früher Eisen bearbeitet wurde, befindet sich nun ein Aufenthaltsraum für Gäste; dort ist auch die alte Mühle des Hofes ausgestellt.
Zu Füßen des Lechtlhofs liegt der Tartscher Bühel mit der romanischen St.-Veith-Kirche, auf den sich vom Hof und von der Kapelle aus ein weiter Blick über das Tal eröffnet.
Die Geschichte des Lechtlhofs lässt sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen. Die erste bekannte schriftliche Erwähnung stammt aus einem Besitzrechtsverzeichnis der Vögte von Matsch aus dem Jahr 1375, in dem der Hof noch unter dem rätoromanischen Namen „Munterschinige in Val“ geführt wird. Darin sind auch die Abgaben beschrieben, die der jeweilige Bewirtschafter zu leisten hatte.
Um 1580 erscheint der Lechtlhof auf einer Karte im Zusammenhang eines Weidestreits zwischen den Gemeinden Tartsch und Mals. Ein einschneidendes Ereignis folgte im Jahr 1799, als französische Soldaten den Hof niederbrannten. Im Jahr 1926 gelangte der Lechtlhof schließlich in den Besitz der Familie des heutigen Eigentümers.
Der Name des Lechtlhofs hat sich über die Jahrhunderte mehrfach verändert. In einem Verzeichnis der Vögte von Matsch aus dem Jahr 1375 wird der Hof noch als „Munterschinige in Val“ bezeichnet. Um 1580 erscheint er unter den Namen „Lechtal-“ oder „Pfalzhof“.
Namensforscher wie Karl Finsterwalder und Egon Kühebacher führen den heutigen Hofnamen „Lechtl“ auf eine Neubildung aus dem Herkunftsnamen „Lechtaler“ zurück, der auf Personen aus dem Lechtal verweist. Eigene Recherchen sowie Archivfunde zeigen jedoch, dass der Hof bereits im 16. Jahrhundert als „Lechtallerhof“ oder „Lechtal- oder Pfalzhof“ bezeichnet wurde. Eine Gerichtsakte aus dem Jahr 1521 nennt etwa einen „Martin Lechtaller auf dem Lechtallerhof“. Ob der Hofname vom Familiennamen abgeleitet wurde oder umgekehrt, lässt sich heute nicht mehr eindeutig klären.
Es wird vermutet, dass sich der im Vinschgau weit verbreitete Familienname „Theiner“ vom Vinschger Wort „Thein“ ableitet, das einen Feldstreifen oder Ackerteil zwischen zwei Wegen oder zwei Waalen bezeichnet. Auch am Lechtlhof trägt das höchstgelegene Feldstück bis heute den Namen „Holztheinen“.
Waalen sind von Menschen angelegte Bewässerungskanäle, die Wasser aus Bächen zu oft weit entfernten Feldern leiten. Aufgrund der geringen Niederschlagsmengen im Vinschgau entstand hier eines der ausgedehntesten Bewässerungssysteme der Alpen. Auch der Lechtlhof wurde noch bis in die frühen 2000er-Jahre mit Waalen bewässert; bis weit ins 19. Jahrhundert war dafür sogar ein eigener Knecht am Hof angestellt.
Im Juni 2015 komponierte Gernot Niederfriniger, Obmann des Südtiroler Volksmusikkreises, den „Lechtl-Marsch“ und widmete ihn unserer Familie. Von seinem Küchenfenster aus blickt er direkt auf den Lechtlhof, der ihm vermutlich auch als Inspiration diente.
Die Uraufführung fand in der Stube des Lechtlhofs statt, wo Gernot das Stück gemeinsam mit seiner „Storchenmusi“ vortrug. Seither gehört der Lechtl-Marsch zum festen Repertoire der Gruppe und wird bei verschiedenen Anlässen gespielt.
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